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Tätigkeitsbericht

Joëlle Allet, Foto: Kultur Wallis/Valérie GigerJoëlle Allet, Foto: Kultur Wallis/Valérie Giger

Joëlle Allet, Foto: Kultur Wallis/Valérie Giger

Joëlle Allet

Kunst, die ein Lächeln offeriert

Es geschah beim Fototermin in der Galleria Graziosa Giger: Die fünf Glasfische am Haken (Aquarium von 2014) baumeln von der Decke der Galerie. Während Joëlle Allet damit beschäftigt ist, die filigranen Fische mit einem Lappen zu reinigen, bewegt sich die Fotografin zwischen der Installation, um diesen Moment mit der Kamera festzuhalten. Plötzlich verfängt sich der Haarknoten der Fotografin an einem der massiven Angelhaken. Sie ist gefangen. Eine Schrecksekunde. Denn beim Versuch sich zu befreien, bewegt sich der Glasfisch am Haken doch beängstigend. Ein lautes Lachen von Joëlle Allet beendet die angespannte Situation. „Der Köder funktioniert tatsächlich“, sagt sie erheitert und befreit die Fotografin aus ihrer misslichen Situation.

Diese kleine Episode zeigt, wie herrlich unkompliziert Joëlle Allet ist. Während man in anderen Galerien vom Aufsichtspersonal bereits zurechtgewiesen wird, wenn man sich ein paar Zentimeter zu nahe an ein Kunstobjekt wagt, lacht Joëlle Allet auch dann noch, wenn ihre Objekte bereits in Schräglage geraten sind.  Solche Dinge nimmt Joëlle Allet locker. Und auch der Zugang zu Kunst führt bei ihr nicht immer über die Ernsthaftigkeit. «Es gibt wenig Kunst, die einem ein Lächeln offeriert», stellt sie fest. So erstaunt es nicht, dass in den Kunstwerken von Joëlle Allet immer wieder Witziges und Humorvolles anklingt. «Mit Humor kann ich die Distanz ausräumen, die sich manchmal zwischen zeitgenössischer Kunst und den Betrachtern aufbaut», erklärt sie. Sie vertraue auf den ersten Augenblick, in dem Besucher ihre Werke wahrnehmen und auf die Kraft ihrer Objekte. «Was in diesem Moment entsteht, ist entscheidend», sagt sie. Wichtig sei, dass Kunst beim Betrachter eine Reaktion auslöse. «Und ein Lachen ist doch eine wunderbare Reaktion», ist sie überzeugt.

Auch wenn sich ihre Werke mit Ironie Vertrautem nähern, nimmt sie die Arbeit als Künstlerin doch sehr ernst. Meistens schaut sie sich den Raum an, in dem eine nächste Ausstellung stattfinden soll. Dann versucht sie herauszufinden, was diesem Raum fehlt oder was diesen Raum ergänzen könnte. Aus diesem Empfinden heraus entwickelt sich eine Idee. Klar wird dann auch mit welchen Materialien sie arbeiten will, welche Form und Grösse das Werk haben soll. «Da ich immer wieder mit neuen Materialien arbeite, suche ich jeweils nach Partnern, die über das Know-how im Umgang mit diesen Materialien verfügen.» Tüftler seien gefragt. Fachleute, die knifflige Aufgabe annähmen und bereit seien, gemeinsam mit ihr an der Umsetzung ihrer Ideen zu arbeiten. Durch diese Arbeitsweise erhält Joëlle Allet einen vertieften Einblick in die Arbeitswelt von Handwerkern. Diese Arbeitsweise habe sie im Wallis entwickelt. «Als ganz junge Künstlerin sprach ich bei allen möglichen Firmen und Handwerkern vor und fragte sie: ‹Chasch mier ächt das grad machu?›»  Das könne sie jetzt natürlich nicht mehr, aber durch diese Vorgehensweise habe sie gelernt, Grenzen zu überschreiten, um scheinbar Unmögliches möglich zu machen.

Ihre breiten Materialkenntnisse kann sie unter anderem für Kunst-am-Bau-Projekte sehr gut einsetzen. Diese Kunstsparte mag sie besonders. Hier kann sie sich an Aufgabenstellungen wagen, bei denen sie viele Komponenten miteinbeziehen muss. Kunst am Bau findet sie auch darum spannend, weil nicht nur Kunstinteressierte damit in Berührung kommen. «Um diese Kunst zu sehen, muss nicht die Schwelle einer Kulturinstitution überwunden werden. Diese Art von Kunst begegnet den Menschen im Alltag», stellt die Künstlerin fest.

Joëlle Allet ist erfolgreich als Künstlerin tätig. Nach ihrer Ausbildung an der ECAV, der Zürcher Hochschule der Künste und der Royal University College of Fine Arts in Stockholm reihte sich Ausstellung an Ausstellung und auch über mangelnde Aufträge und Preise kann sie sich nicht klagen. Das bringt natürlich viel Arbeit mit sich. Und manchmal, wenn sie das Gefühl überkommt, es gehe ihr alles ein bisschen zu schnell, zieht sie sich bewusst zurück und achtet darauf, dass ihre Seele bei dem Tempo mitkommt. Dann unternimmt sie ausgedehnte Spaziergänge in der Natur, oftmals in Leukerbad, oder reist in ferne Länder. Muse will Weile haben. Und wenn ihr Kopf dann wieder frei ist, fliessen neue Ideen und sie macht sich wieder ans Werk. 

Kontakt

flugpost@joelleallet.ch
http://www.joelleallet.ch/

 

Erschienen: Juni 2015
Text: Nathalie Benelli
Fotos: © Valérie Giger

 

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Ephraim Salzmann ©Sebastian Magnani/Plattform Kultur WallisEphraim Salzmann ©Sebastian Magnani/Plattform Kultur Wallis

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Samuel Dematraz ©Aline Fournier | Plattform Kultur WallisSamuel Dematraz ©Aline Fournier | Plattform Kultur Wallis

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