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Tätigkeitsbericht

Isabelle Tabin-Darbellay

Die Botin des Schönen

Man könnte meinen, dass die kleine Isabelle Tabin-Darbellay in die Welt der Malerei gefallen sei,  wie eine bekannte Comic-Figur in einen Zaubertrank. Geboren wurde sie 1947 in Sitten. Ihre Kindheit war geprägt von der malenden Mutter. An den Wänden hingen Werke ihres Grossvaters, Georges Payer, den sie leider nicht kennen gelernt hatte. Auch er ein passionierter Maler. Doch damit nicht genug. Die Familie kaufte zudem das Haus des bekannten Kunstmalers Ernest Biéler in Savièse. In diesem Haus lebt Isabelle Tabin noch heute und hier empfängt sie uns. Das Glück scheint sich in dieser Bleibe angesiedelt zu haben. Und es kann gut sein, dass das Haus auch eine Rolle spielte, als der Startschuss zur langen und erfolgreichen Karriere der Malerin fiel.    

Der Zufall wollte es, dass sich gegenüber ihrem Zuhause das Atelier des renommierten Malers Albert Chavaz befand. Als Kind diente sie ihm als Modell. Bald einmal schlug er ihr vor, seine Schülerin zu werden. „Spätestens an dem Tag hat die Malerei definitiv Einzug in mein Leben gehalten“, sagt die 69-Jährige.

Unter den strengen Blicken von Chavaz entwickelte sie sich weiter. Der Meister konfrontierte sie mit Wahrheiten und forderte von ihr Beständigkeit und Disziplin. Um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, unterrichtete sie nebenbei Literatur. Das Lizenziat in Geisteswissenschaften, das sie vor der Ausbildung zur Malerin abgeschlossen hatte, kam ihr dabei zu Gute. Mit 25 entschied sie sich jedoch, ganz auf die Kunst zu setzen. „Wenn man diesen Beruf wählt, muss man auch bereit sein, sich schmutzig zu machen“, führt sie lachend aus. Es gilt jeden Tag zu malen, sich zu disziplinieren in Bezug auf den Zeitplan aber auch auf die künstlerische Praxis.

Isabelle Tabin-Darbellays Charme zieht uns in seinen Bann. Sie ist feingeistig und spricht klug über Kunst und Natur. Themen, die ihr besonders am Herzen liegen.

Mehrmals im Jahr fährt sie nach Italien in die Toscana. Dort hält sie sich in einer kleinen, liebgewonnenen Hütte auf, die sie renovieren liess. Hier findet sie die Stille und Einsamkeit, die sie zwingend braucht, um malen zu können. „Das Licht dort ist kräftiger, klarer und es ermöglicht subtile Farbnuancen.

Licht ist ein Wort, das zu ihr und ihrem Schaffen passt. Es ist ihr wichtigstes Werkzeug. „Rund um mich ist alles Malerei. Es ist nicht ein Dorf, das ich male. Meine Bilder sind nichts anderes als festgehaltenes Licht, das ich gesehen habe.“

Isabelle Tabin-Darbellay malt, weil sie das Malen liebt. Weil sie das Schöne anzieht wie ein Lichtstrahl, der sanft auf ein Gesicht fällt. „Botin des Schönen“, ja, sie mag diesen Titel. Sie möchte in einer Welt, in der so viel Leid und Krieg herrscht, Schönheit, Farben und Licht überbringen. Vielleicht ist es ein Geschenk Gottes, das sie da erhalten hat und den Betrachtern ihrer Werke weiterreicht.

Nach ihrer Meinung darf ein Künstler jedoch nie vollständig zufrieden sein mit dem was er tut. Er darf nie auf dem Gipfel seiner Kunst ankommen. „Wenn du beim Malen an Lob und Glückwünsche denkst, bist du verloren“, brannte Albert Chavaz in ihr Gedächtnis ein. Diesen Satz behielt sie als Leitplanke für ihre Karriere. Wie die meisten Künstler zweifelt auch sie immer wieder an ihrem Schaffen. Aber weniger als auch schon. „Das ist der Vorteil des Alters“, fügt sie mit einem Lächeln an.

Nachdem sich die Türe hinter Isabelle Tabin-Darbellay geschlossen hat, bleibt uns das Gefühl erhalten, gereist zu sein. Sie, die in fast allen Werken Bewegung darstellt, weil das Leben nicht statisch ist, erhellt uns mit ihren Erkenntnissen die Sicht auf uns und die Welt. Befanden wir uns nicht eine Zeit lang in einem Lichtstrahl?


Kontakt

Isabelle Tabin-Darbellay
Rte de la Magine 1
CH - 1965 Savièse

www.isabelletabin.ch

Erschienen: August 2016
Text: Sophie Michaud
Fotos: © Valérie Giger

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