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Tätigkeitsbericht

Frédéric Recrosio

Erzählen, immer wieder erzählen

«Ein Mittel um Frustration zu beseitigen ist ohne Zweifel der Spott», hat der Filmemacher Youssef Chahine einmal gesagt. Der Humorist Frédéric Recrosio hat diese Lebensweisheit verinnerlicht, seit er auf der Bühne steht. Er nimmt dabei das Risiko in Kauf, dass der ganze Saal über ihn und seine Unzulänglichkeiten und täglichen Herausforderungen lacht.  Meist sind es solche, die auch dem Publikum nicht fremd sein dürften.

«Einige Humoristen beschäftigen sich mit der Funktionsweise einer komplexen Gesellschaft. Andere finden, dass der Humor an und für sich lustig genug ist. Ich beschäftige mich mit dem alltäglichen Scheitern und Problemen, die ich nicht zu lösen vermag.» Auch wenn ihm der Vater seiner Freundin sagte, dass er aus jedem seiner Spektakel etwas fürs Leben mitnehmen konnte, möchte Frédéric Recrosio sein Publikum nicht beeinflussen. Er teilt seine Erfahrungen mit. Das ist alles. «Man kann nicht verhindern, dass man an dem einen oder anderen Tag vom Leben enttäuscht sein wird. Warum sollte man also nicht lachen, auch wenn es nichts hilft.» Und etwas hat er gelernt beim Überstehen sämtlicher Krisen der 20-, 30- oder 40-Jährigen: Es ist besser sich wie Schilfgras auf den Boden zu legen, um Stürme und Tornados zu überstehen.

Seine Karriere begann schon als er noch die Schulbank drückte. Zusammen mit drei Kameraden wurde er in die hinterste Ecke des Klassenzimmers verbannt, damit sie niemanden störten. Hier begannen sie Lehrer zu imitieren und sich über Personen lustig zu machen wie es nur gelangweilte 14-Jährige können. «Die Schule lieferte mir mein erstes Publikum. Dort habe ich meine ersten Witze getestet. Ich wollte lustiger sein als meine Kollegen und versuchte diese mit meinen Sprüchen zu überbieten. Das erste Jahr am Gymnasium war das verrückteste meines Lebens.»

Frédéric Recrosio hat den Spass am Lustigsein immer noch nicht abgelegt. Mit seinem Freund und Bühnenkollegen Fred Mudry schuf er „Los Dos“. Zusammen konnten sie bereits bei ihren ersten Auftritten schöne Erfolge feiern. «Wir haben überall gespielt, selbst vor Leuten, die uns gar nicht zugehört haben. So haben wir gelernt, die Hemmungen zu verlieren.» Eine Bühnenproduktion der beiden begann zum Beispiel folgendermassen: Hinter dem geschlossenen Vorhang hört man ihre Stimmen:

- Fred, bist du sicher, dass wir nichts vergessen haben?

- Nein, nein, wir haben nichts vergessen, wir können beginnen.

Der Vorhang öffnet sich und die beiden stehen nackt auf der Bühne…

Das Duo hat sich inzwischen aufgelöst ohne sich jedoch aus den Augen zu verlieren. Fred Mudry schrieb sich in einer Theaterschule ein, während Frédéric Recrosio, sein Diplom in Soziologie in der Tasche, sich in seine Karriere als Humorist stürzte. Er schrieb ein erstes Spektakel « Rêver, grandir et coincer des malheureuses » gleich darauf folgt ein zweites, drittes…Das Schreiben ist sein Motor. Er schreibt Seite um Seite, Tag für Tag auch wenn er von dem Geschriebenen oftmals nur eine einzige Zeile behält.

Frédéric Recrosio ist erfolgreich und das Publikum applaudiert. Aber er ist sich stets bewusst, dass sich diese Gunst mit jeder neuen Produktion verändern kann. « Mit Zweifeln kann ich gut umgehen. Ich kann ihnen mit Arbeit begegnen. Sie können unter Umständen sogar stimulierend wirken. Angst wäre etwas anderes. Angst wäre lähmend.» Blockaden, die er erlebte, hindern ihn nicht daran nach vorwärts zu schauen, Lieder zu schreiben, sie zu singen, Filmkomödien zu spielen, Kurz- und Spielfilme zu realisieren und sogar ein Wurstrezept «le Don Recroze» zu erfinden. Nichts scheint ihn aufzuhalten.

Ein Spektakel mit Brigitte Rosset ist für 2018 geplant. Ein weiteres auf Deutsch für 2020. Zurzeit verlangt eine Walliser Revue für das Théâtre de Valère in Sittten, die im Dezember 2016 aufgeführt wird, seine ganze Energie. Die Regie dieser Revue übernimmt sein ehemaliger Bühnenkollege Fred Mudry. «Toll, dass es eine Wiedervereinigung im Rahmen dieser Produktion gibt. Die Komplizenhaftigkeit, die wir in jungen Jahren gehabt haben, hat sich sofort wieder eingestellt.»

Sich mit Frédéric Recrosio zu unterhalten und sich seine Reflexionen über das Leben anzuhören ist erfrischend. Der Autor von « Aimer, mûrir et trahir avec la coiffeuse » offenbart seine Weisheiten ohne Scham und mit einer grossen Zärtlichkeit und Respekt für das Leben. Es wird uns bewusst, das Lachen eine ernsthafte Angelegenheit ist. Und es wäre schade, einen Tag wie diesen ohne Lächeln zu beenden.

www.recrosio.ch

Erschienen: Oktober 2016
Text: Sophie Michaud
Fotos: © David Zehnder

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