Cécile Giovannini

Visuelle Künstlerin

Cécile Giovannini ist italienischer Herkunft, hat sanftes braunes Haar, das zum Träumen anregt, und arbeitet in einer Malwerkstatt, die sich in den ehemaligen Büroräumen ihres Großvaters Claude Chappaz, einem Anwalt, befindet. Als Hommage an diese verstorbene Persönlichkeit ist der Name geblieben: Avocadostudio. Die Familie ist ein wesentlicher Pfeiler für Cécile Giovannin, welche stets mit Farben in ihren Augen auf die Welt blickt. Die Mutter von Cécile ist eine wertvolle Vertraute, ihr Vater ein Vorbild des Aktivismus, ihre Großmutter eine Fotografin, die sie bewundert und jeden Tag besucht. Das Leben lächelt Cécile Giovannini an, die eine der wenigen Walliser Künstlerinnen ist, die von ihrer Malerei leben kann. Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt zu treffen, scheint ihr Wunderrezept zu sein. Auf diese Frage antwortet sie: «Eines Tages sagte meine Mutter zu mir: Alles, was du tust, tue es bis zum Äußersten, tue es nach bestem Wissen und Gewissen, wirklich.» Seitdem ist sie diesem Rat gefolgt, und eine Tür nach der anderen öffnet sich, eine nach der anderen, langsam, in ihrem eigenen Tempo. Künstleraufenthalte, Mandate bei renommierten Musikern, regelmässige Ausstellungen, Stipendien der Dienststellle für Kultur. Ja, das Leben lächelt Cécile Giovannini an, die ihre Träume wahrnimmt, dem Glück entgegengeht und die Welt in Farbe malt. 

Eine farbenfrohe Welt

Die Begeisterung für Farben
Es war schon früh klar, dass die visuelle Kunst in meinem Leben einen wichtigen Teil einnehmen wird. Die visuelle Kunst war für mich immer ein Rückzugsort. Damals habe ich das nicht «visuelle Kunst» genannt. Das war einfach nur ein Moment, in dem ich Farben verwendete. Für mich war das ein Moment, in dem ich mich gut und in Sicherheit fühlte. Der übergreifende Zusammenhang meiner Arbeit, so denke ich, ist die Farbe. Meistens sind es sehr starke Farben, über die wir in Atmosphären eintauchen, die traumhaft oder symbolisch sind, die sich beispielsweise von Deko-Kunst inspirieren, von Surrealismus, oder von Bildern, wie die auf den Tarot-Karten. Ich denke in meiner Arbeit steckt eine erzählerische Seite.

Revolutionäre Seite
In meinem Privatleben, da bin ich sicher eine sehr aktive Person, in Bezug auf meine Ideen und meine politischen Überzeugungen. Ob es sich nun um Feminismus, Ökologie, oder auch andere soziale Themen handelt. Letztendlich geht es um alle Dinge, die mich persönlich berühren und Teil meines Lebens sind. Diese Sachen kommen einfach heraus in meiner Kunst, aber es geht nicht in die umgekehrte Richtung.

Formen, Körper und viel Liebe
Einen Frauenkörper zu zeichnen, erlaubt es mir, mich mit meiner eigenen Weiblichkeit auseinanderzusetzen. Was bedeutet es, eine Frau zu sein? Wie ist man eine Frau? Wie lebt man den weiblichen Körper? Darüber hinaus ist die bildnerische Auseinandersetzung mit dem Frauenkörper auch eine Art Geste, ein bisschen Liebe. Es heisst, zu versuchen, ihn zu akzeptieren, in seiner Imperfektion und seinem Rätsel.

Kultur im Wallis …
Die Kultur bietet Chancen. Und das nicht nur für Künstlerinnen und Künstler! Sie ist bietet Chancen für den Tourismus. Durch Kultur können wir erkennen, wer wir sind. Sie hält gewissermassen das Spiegelbild für den Kanton und verrät, was ein Land ist. So sind beispielsweise Paris, Milano oder Rom bekannt durch ihre Kultur. Ich denke, dass das Wallis sich auch stark durch seine Kultur auszeichnet.

Unterstützung und Träume
Ich arbeite im Moment an meinem ersten grafischen Roman. Dazu habe ich das Glück, Unterstützung von ArtPro Wallis zu erhalten, dem mehrjährigen Unterstützungsgefäss. Und ich bin sehr glücklich darüber, weil es ist das erste Mal, dass ich mich wirklich längerfristig in einem Projekt vertiefen kann. Somit kann ich meiner Vorstellungskraft freien Lauf lassen. Ich kann etwas erdenken, reflektieren, wegwerfen und wieder anfangen. Als Künstlerin habe ich viele Träume. Aber ich versuche nur kurz daran zu denken und die Träume dann wieder loszulassen. Weil sonst wird daraus eher eine Quelle für Angst, anstelle eines Traumes. Es sind kleine Träume. Es ist nicht der grosse Traum. Es geht nur darum, glücklich zu sein, sich gut zu fühlen. Das ist das absolute Ziel.

Video ©2020 Kultur Wallis
Künstlerin: Cécile Giovannini - https://cecile-giovannini.com
Interview: Sophie Michaud / Kultur Wallis
Realisation: Alexandre Bugnon / societe-ecran media
Fotos: ©Kultur Wallis | Alexandre Bugnon / societe-ecran media
Veröffentlicht: 09.04.2020
Musik:
Aurélie Emery – Printemps je te bois, 2019
Zurück