Tanya Barany

Tanya Barany, Foto: Christian Pfammatter

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Tanya Barany, Foto: Christian Pfammatter

Tanya Barany, Foto: Christian Pfammatter

Tanya Barany, Foto: Christian Pfammatter

Tanya Barany, Foto: Christian Pfammatter

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Tanya Barany, Foto: Christian Pfammatter

Tanya Barany, Foto: Christian Pfammatter

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Klänge für die blaue Stunde

Es gibt Leute, die sieht man – im Fernsehen oder im wahren Leben – und findet sie sofort sympathisch. Tanja Zimmermann alias Tanya Barany gehört zu denen. Doch was sie wirklich auszeichnet, ist viel mehr.

Das Toni-Areal liegt im hippen Zürich-West-Quartier. Aus der einstigen Joghurtfabrik der Grossmolkerei Toni ist ein Campus mit einer cleveren Architektur entstanden. Die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) ist hier eingezogen. Dort treffen wir Tanya Barany.

Auch sie hat sich in den letzten Jahren gewandelt. 2013 stand sie als Tanja Zimmermann auf der Bühne der Fernsehsendung „The Voice of Switzerland“. Doch dem Medienbild des netten Mädchens mit Gitarre aus den Walliser Bergen will die Pop-Gesang-Studentin nicht mehr so recht entsprechen. Sympathisch ist sie immer noch. Das schon. Selbstbewusst? Das auch. Wenn Tanya Barany etwas erzählt, und das tut sie gern, leuchten ihre Augen. So locker wie sie im Klub „Mehrspur“ der ZHdK sitzt und über ihre Musik spricht, könnte sie auch eine MTV-Sendung moderieren.

Umso mehr erstaunt, das gleich zu Beginn des Gesprächs das Wort Melancholie fällt. Nämlich dann, wenn sie ihren Musikstil beschreibt, den Dark Indie Pop. Seit sie ihre eigenen Songs komponiert und Texte dazu schreibt, legt sich schöpferische Traurigkeit über Synthesizer-Harmonien. Klänge für die blaue Stunde: Balsam für aufgeraute Seelen.

Sie sagt, sie wolle menschliche Erfahrungen thematisieren. Trennungen, Ängste, Einsamkeit. Jammern mag sie nicht. Ihre Texte lassen nicht zu, dass man sie als Darstellerin ihres Lebens beobachten kann. Viel mehr hebt sie Erlebtes durch ihre Fähigkeit zur eigenwilligen Interpretation auf eine Meta-Ebene. Mit der veränderten Perspektive bleiben viele Zugänge offen.

Eine Distanz gibt es auch zwischen Tanja Zimmermann und der Kunstfigur Tanya Barany. Das hilft bei der Abgrenzung. Markieren, dass es eine Musikerin und eine Privatperson gibt, ist ihr wichtig. Alles was man von ihr als Künstlerin zu sehen und hören bekommt, sind Puzzle-Teile, die keine ganzheitliche Innerlichkeit abzubilden vermögen. Die Ernsthaftigkeit, mit der sie über solche Themen spricht, komplementiert wohltuend ihre jugendliche Leichtigkeit.

In Tanya Baranys Leben fügte sich vieles genau zum rechten Zeitpunkt zum Guten. Ihr Umzug nach Zürich machte ihre Welt weiter und reicher. Sie lernte neue Menschen und Musikrichtungen kennen. Diese Öffnung erlebte sie als sehr anregend. Ihre Kompositionen würden nicht so klingen, wäre sie im Wallis geblieben. Indie-Pop als musikalische Welt-Bühne, auf der man soziale und geografische Bedingungen abstreifen kann, um sich als Künstlerin neu zu erfinden? So mag es Tanya Barany nicht sehen. Auch wenn ihre Musik eine globale Ausrichtung hat, bleibt die kontemplative, archaische Kraft der Berge spürbar. Zu den Höhen der Grate und Tiefen der Täler gesellt sich jetzt einfach die urbane Weite. Vielleicht ist der Kontrast das Faszinosum ihrer Musik. Die 23-Jährige hat sich ihren künstlerischen Weg freigehauen. Grenzen spielen dabei keine Rolle mehr.

Die Agenda von Tanya Barany hat kaum unbeschriebenen Raum. Schon muss sie weiter zu einer Probe der Band „Syrius“, bei der sie mitspielt. Sie verabschiedet sich, schultert ihre Gitarre und geht davon. Von Weitem sieht man bald nur noch die Bewegung ihres Kopfs, mit der sie ihren roten Rossschwanz hinter die Schultern wirft. Dann verschwindet sie im so schön unperfekten Zürcher Quartier, in dem die Industrie abzog und sich Künstler und Studenten einrichten. Manchmal erreicht man Orte der Inspiration ganz prosaisch – mit dem Tram.

Tanya Barany auf mx3

Erschienen: Juli 2017
Text: Nathalie Benelli
Fotos: © Christian Pfammatter

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