Sprache

fr de

Sam Gruber

Sam Gruber © Kultur Wallis_Nadia Tarra

Sam Gruber © Kultur Wallis_Nadia Tarra

Sam Gruber © Kultur Wallis_Nadia Tarra

Sam Gruber © Kultur Wallis_Nadia Tarra

Sam Gruber © Kultur Wallis_Nadia Tarra

Sam Gruber © Kultur Wallis_Nadia Tarra

Sam Gruber © Kultur Wallis_Nadia Tarra

Sam Gruber © Kultur Wallis_Nadia Tarra

Sam Gruber © Kultur Wallis_Nadia Tarra

Sam Gruber © Kultur Wallis_Nadia Tarra

Songs wie Zimt und Honig

Neulich war auf einem Nachrichtenmedium ein Gespräch mit einem Philosophen zu hören, das sich dem Thema widmete „Wie das selbstbestimmte Leben gelingt und weshalb ein autonomes Leben ein besseres Leben ist“. Diese Zeilen kamen mir wieder in den Sinn, als ich mich nach dem Besuch bei Sam Gruber in St. Niklaus verabschiedete. Aber eins nach dem anderen.

Reisende, die die Richtung St. Niklaus einschlagen, sind häufig auf dem Weg ins weltgewandte Zermatt. Beim Passieren des Dorfs zwischen den steilen Berghängen fallen die Industriehallen des Bosch-Werks auf. Von hier aus werden Präzisions-Sägeblätter in die ganze Welt verschickt. Wer weiss schon, dass sich etwas oberhalb von St. Niklaus, dort wo das Tal seine bedrückende Enge verliert, ein Tontechniker und Musiker eingerichtet hat, der die Eigenschaften Weltoffenheit und Präzision in Personalunion verkörpert?

Sam Gruber winkt freundlich und lächelt, als er uns mit seinem Wagen am Bahnhof in St. Niklaus abholt. Es ist zu kalt, um draussen zu sitzen, und so nimmt er uns mit in sein Tonstudio, das er in der ehemaligen Schreinerei seines Grossvaters eingerichtet hat. Auf dem Weg dorthin, erzählt er uns von seinem Hobby, dem Velofahren. „Einfach immer weiterkommen, darum geht es doch - nicht nur im Sport“, sagt er. „Wer still steht, fällt um.“ Und schon sind wir mitten im Gespräch über seine Haltung gegenüber seiner Arbeit als Musiker und Tontechniker.

Sam Gruber ist schon seit zehn Jahren im Musikbereich tätig. Er kennt das Business sowohl von der kreativen als auch von der technischen und administrativen Seite. Der Sänger, Musiker und Songwriter verfügt über eine fundierte Ausbildung als Tontechniker. Er hat sich ein Diplom als Audio Engineer, einen Bachelor of Recording Arts und einen Master of Arts in Creative Media erarbeitet. „Diese verschiedenen Ausbildungen und Kenntnisse kann ich in meinem Schaffen optimal miteinander verbinden“, betont Sam Gruber. Das Wissen um die Technik erleichtere ihm das kreative Schaffen und umgekehrt. Als Musiker wisse er genau, welche Anforderungen seine Stücke an die Technik stellen würden.

Seine Lehr- und Wanderjahre führten ihn nach Zürich und München. In der Hauptstadt von Bayern absolvierte er ein Praktikum im Tonstudio Plan 1, zu dem noch eine Zweigstelle in Berlin gehört. Schon nach kurzer Zeit war klar, dass man den talentierten Walliser über die Praktikumsdauer hinaus beschäftigen wollte. Und so blieb Sam Gruber fast drei Jahre im Süden von Deutschland. Auch wenn der St. Niklauser in dieser Zeit sehr von den Einflüssen des städtischen Umfelds profitieren konnte, war für ihn bald einmal klar, dass er seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt in die Berge verlegen wollte. Es zog ihn in die Nähe seiner Familie und Freunde. Von dort aus wollte er immer wieder in die Welt aufbrechen. Er schlug den Verantwortlichen der Plan1 Tonstudios vor, eine Zweigstelle in St. Niklaus einzurichten. Ein Vorhaben, dem diese umgehend zustimmten. Und so kam es, dass die Aufnahmeleitung für einen Disney-Film in St. Niklaus lokalisiert war, während die Gesangsaufnahmen in München gemacht wurden. „Die Technik machts möglich", freut sich Sam Gruber. „Sie erlaubt dir, deinen Arbeitsort frei zu wählen. Es ist nicht mehr zwingend nötig, dass sich alle an einem Projekt Beteiligten am selben Ort befinden.“ Ähnliche Zusammenarbeiten kennt er auch bei Computerspielen, bei denen sehr viele Audiofiles für verschiedene Levels nötig sind. Die Files werden in St. Niklaus bearbeitet und in München zu einem Ganzen zusammengefügt. Aber auch für regionale Produktionen hat sich der gewiefte Unternehmer einen Namen gemacht.

Sam Gruber ist durch und durch technikbegeistert. Das heisst aber nicht, dass er seine eigene Musik „zu Tode digitalisiert“ wie er es nennt. Vielmehr hat er hier den Mut zum Unperfekten. „Wenn man sich alte Songs von Bob Dylan anhört, sind die alles andere als perfekt. Aber genau das macht doch den Charme dieser Aufnahmen aus“, ist der Allrounder überzeugt. Und so lässt er seine Songs auch einmal stehen und verzichtet bewusst auf mehrfach wiederholtes Einspielen.  Und das kommt an. Nicht nur in der Schweiz, Deutschland und Österreich. Sein Song Cinnamon & Honey“ vom aktuellen Album „A Decade Full of Songs“ wurde im Sommer 2017 von mehr als 200 italienischen Radiostationen vom Norden bis in den tiefsten Süden gespielt.

Mit  seiner Band tourte er bereits zweimal durch die Schweiz, Deutschland und Österreich. Seine Songs sprechen Menschen an, egal in welchem Land. „Vielleicht kommt das daher, weil ich für meine Songs immer von eigenen Erfahrungen ausgehe. Nur wenn man etwas selber erlebt hat, kann man darüber berührende Songs schreiben“, ist Sam Gruber überzeugt. Zudem könne man sich als Musiker dabei hervorragend selbst therapieren. Das Ventil Musik funktioniere immer, fügt er lachend hinzu.

Die Aussage eines deutschen Musikers, dass das grosse Sicherheitsbedürfnis der Schweizer ihre Kreativität ersticke, will Sam Gruber nicht gelten lassen. „Da trete ich gerne den Gegenbeweis an.“ Damit er den Kopf frei habe für seine Musik, brauche er die Sicherheiten, die ihm seine unterschiedlichen Tätigkeiten im Tonstudio, bei der Künstleragentur artistpool, als Produzent oder in der Administration der Apotheke seines Vaters geben. Auf diesen verschiedenen Säulen baut er sein Leben und Schaffen auf – selbstbestimmt und autonom. Durch Strukturiertheit ermöglichte Freiheiten. Ein gutes Leben, geht einem beim Abschied durch den Kopf. 

www.samgruber.ch

Fotos: Nadia Tarra
Text: Nathalie Benelli
Veröffentlicht: November 2017

Zurück