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Michel Briand

Michel Briand Copyright Diana Pfammatter

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Getanzte Leidenschaft

Michel Briand anzutreffen ist im Moment nicht so einfach. Darum nutzten wir die Gelegenheit im Sommer 2017, als er zurück aus Salzburg war, wo er seine Ausbildung an der Salzburg Experimental Academy of Dance (SEAD) abgeschlossen hatte. Ihm blieben ein paar wenige Tage, um sich in Naters einzurichten und sein Leben neu zu organisieren. Dann reiste er für drei Monate weiter nach London an die London Contempory Dance School (LCDS). Hier sammelte er weitere Erfahrungen in der Tanzwelt, knüpfte Kontakte und optimierte seinen Stil. Denn Michel Briand ist ein Perfektionist. Durch und durch.

Für das Interview und das Fotoshooting  haben wir ein Rendez-vous auf der Bühne des Theaters La Poste in Visp vereinbart. Kein anderer Ort schien ihm passender. Die Bühnen dieser Welt prägen sein Schaffen und seinen Alltag. Sie sind ihm Qual und grösste Erfüllung zugleich – Leidenschaft eben. Das ist übrigens auch das Wort, das im Gespräch mit ihm am meisten fällt. Wer ihm beim Tanzen zuschaute, weiss warum.

Sein Gesicht hat etwas Irritierendes. Kantige männliche Gesichtszüge konkurrenzieren mit einem Blick, der wie aus der Kindheit gerettet zu sein scheint. Achtjährig begann er zu tanzen. Er war der einzige Junge in der Tanzschule Artichoc in Brig. Während seine Schulkollegen ihre Freizeit auf dem Fussballplatz verbrachten oder sich in Kampfsportarten übten, wollte er nichts anderes tun als tanzen. Schon damals war ihm klar, dass er Tänzer werden wollte. Kein weiterer Beruf, der für ihn sonst noch in Frage kam. „Meine Kindheit war nicht immer schön“, kommentiert er heute mit knappen Worten die Zeit der Hänseleien auf dem Pausenplatz. „Ich war immer speziell. Aber ich habe mein Ding durchgezogen, bin mir treu geblieben und darauf bin ich stolz“. Die Tanzlehrerinnen Jeannette Salzmann Albrecht und Judith Bärenfaller erkannten sein Talent früh. Sie und Patrizia Ruppen unterrichteten ihn in Hip Hop, Jazz Dance und Contemporary Dance. Dazu kamen Tanzpädagoginnen, die von ausserhalb des Kantons anreisten und im Wallis unterrichteten. „Ich durfte wann immer ich wollte die Räumlichkeiten der Artichoc-Tanzschule nutzen um zu tanzen. Das war für mich sehr wichtig.“ Er habe mindestens die Hälfte seiner Kinder- und Jugendjahre hier verbracht, sagt der Natischer augenzwinkernd.  Mit 17 Jahren begann er selber Hip Hop zu unterrichten. Er entwarf erste Choreografien und bestach auch durch seine didaktischen Fähigkeiten.
Dem Rat seiner Eltern folgend, absolvierte Michel Briand die Handelsschule an der OMS in Brig. Sich ein zweites Standbein zu schaffen, schien ihm sinnvoll. Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, während einem Jahr den Pre-Bachelor of arts in Tanz an der Zürcher Hochschule der Künste zu besuchen, wo er sich mit dem Contemporary Dance vertieft auseinandersetze.

Und irgendwann war dann der Weg frei, um sich um die Aufnahme an einer anerkannten Tanzschule zu bemühen. Da Michel Briand nicht von klein auf in klassischem Ballett unterrichtet wurde, war er beim Vortanzen technisch nicht der herausragendste Tänzer. Dennoch wurde er in die SEAD aufgenommen. Warum, erklärt er so: „Die Jury-Mitglieder haben meine Leidenschaft für den Tanz erkannt. Sie wussten, dass ich dieser Leidenschaft alles unterordnen würde.“

An der Experimental Academy of Dance in Salzburg fühlte sich der 24-Jährige sehr wohl. „Diese Schule legt sehr viel Wert auf die Persönlichkeit der Tänzer und den individuellen Ausdruck. Das kam mir sehr entgegen.“ Weiterbildungen in New York und Paris komplettierten seine Lernjahre.

Auf seine Zukunftspläne angesprochen, erklärt Michel Briand, dass er den Tanz einem breiten Publikum zugänglich machen möchte. Ernste Themen mit Leichtigkeit vermitteln. Tiefgründiges mit Ästhetik und Fantasie in Verbindung bringen. Er sieht sich in den kommenden Jahren sowohl als Tänzer wie auch als Choreographen und Lehrer.

Die Frage, die ich Michel Briand eigentlich stellen wollte „Was bedeutet das Tanzen für Sie?“ habe ich übrigens gestrichen. Denn spätestens  als er vor unseren Augen zu tanzen begann, damit die Fotografin Bilder seiner Kunst machen konnte, war diese Frage mehr als überflüssig geworden. Vor uns bewegte sich ein junger Mann ganz im Jetzt. Alles schien zu fliessen, obwohl er in jedem einzelnen Moment die Kontrolle über seinen Körper innehatte. Das Verträumte war aus seinem Blick gewichen. Die Leidenschaft führte jetzt Regie.

Michel Briand

Fotos: Diana Pfammatter
Text: Nathalie Benelli
Veröffentlicht: 08.01.2018

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