Magali Kniel

Magali Kniel Foto: Christian Pfammatter

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Fragile Welten


Vor Magali Kniels Wohnungstür macht der Beruf nicht Halt. Das war schon immer so. Die Künstlerin kennt es weder von ihrem Elternhaus, sie ist die Tochter des Glaskünstlers Bernd Kniel, noch von sich anders. Wer jetzt aber denkt, dass bei Kniels regelmässig bis tief in die Nacht hinein über fragile Glasarbeiten diskutiert wird, liegt auch nicht ganz richtig. «Gemeinsam an einem Tisch sitzen, essen und reden, gehört bei uns zur Familienkultur», sagt die zierliche junge Frau. «Wir sprechen aber über alles Mögliche, nicht nur über Glas und Kunst.»

Liest oder hört man das Wort Glaskunst, denkt man fast zwangsläufig an unter Kitschverdacht stehende Objekte, die in irgendwelchen Wohnwänden vor sich hinstauben. Die grellbunten Briefbeschwerer oder funkelnden Glastiere haben aber kaum etwas mit dem Spektrum zu tun, das die zeitgenössische Glaskunst zu bieten hat. Es ist das Spiel von Licht, Schatten und Transparenz, das der Natischerin eine Schaffenswelt jenseits des traditionellen Handwerks öffnet. 

Die Faszination für den wandlungsfähigen Werkstoff liess Magali Kniel beruflich in die Fussstapfen ihres Vaters treten. Nach der Ausbildung zur Kunstglaserin und Glasmalerin absolvierte sie zusätzlich einen Bachelor-Studiengang in Kunst und Vermittlung. «Ich bin mit einem sehr realistischen Bild vom Künstlersein in diesen Beruf eingestiegen. Mir waren alle dazugehörenden Facetten bekannt», beteuert sie. Die Art und Weise wie Künstlerinnen und Künstler arbeiten, habe sich in den letzten Jahren jedoch stark verändert. Vernetzt, vielseitig und hellwach müsse man sein, um sich in der Kunstszene behaupten zu können. Um diese Aussage zu unterstreichen fährt sie fort: «Als Künstlerin beschäftige ich mich zurzeit vor allem mit dem Malen von Ölbildern. Zudem arbeite ich als Kulturvermittlerin und als Kunstlehrerin an der Steiner Schule in Steffisburg. Gleichzeitig bin ich aber auch Managerin, Marketing- und Kommunikationsfachfrau, Grafikerin und Fotografin für meine Projekte.» Sie betont, dass die Zeiten, in denen Kunstschaffende zurückgezogen in ihrem Atelier gearbeitet und sich nur auf eine Sache konzentriert haben, definitiv vorbei seien. «Wer mit Kunst etwas über die Welt ausdrücken will, muss auch wissen, was dort abläuft und offen sein für Neues.» Ihr ist es wichtig, sich regelmässig mit anderen 
Kulturschaffenden und Bekannten aus völlig anderen Berufswelten auszutauschen und ihre Sichtweisen kennen zu lernen. Oft spricht sie dazu Einladungen aus. Sie liebt die orientalische Küche und fühlt sich wohl in der Rolle der Gastgeberin. «Diese Treffen sind für mich sehr inspirierend. Ein Gedanke bringt den nächsten hervor. An meinem Tisch sind schon viele Projekte entstanden», erzählt sie mit Begeisterung. 

Magali Kniel hat ein Gesicht, auf dem Blicke lange verweilen mögen. Ihr gegenüber sitzend möchte man Modigliani sein, es abbilden und ein zeitloses Meisterwerk daraus machen. Doch im Gespräch mit ihr tritt ihr Aussehen rasch in den Hintergrund. Es sind die Klarheit ihrer Gedanken und ihr Engagement für Gesellschaftspolitik, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Besonders am Herzen liegen ihr Frauenthemen. Sie engagiert sich für das Filmfestival «Nouvelles», das Filme von Regisseurinnen zeigt. «Frauen haben im Film eine andere Handschrift als Männer. Sie geben den Schwachen eine Stimme», ist Magali Kniel überzeugt. Unterdrückung, Spannungen und Konflikte, die im Leben entstehen, würden von den Filmemacherinnen oftmals aus der Sicht der Machtlosen gezeigt.

Die ungleichen Chancen von Frauen und Männern sind für sie immer noch ein Thema. «Es ist doch erstaunlich, dass von den vielen Frauen, welche die Filmhochschulen absolvieren, kaum eine sichtbar wird, wenn es um Filme mit grossen Budgets geht», gibt sie zu bedenken. Dasselbe Szenario sei übrigens überall in der Kultur anzutreffen. Sie beobachtet, dass Frauen in den Kunsthochschulen die grosse Mehrheit darstellen. Preise für Nachwuchskünstler hingegen gehen in etwa zur Hälfte an Männer. Sieht man sich in Führungsetagen von Kulturbetrieben um, sind die Frauen dort deutlich untervertreten. Eine Erklärung dazu hat Magali Kniel nicht. Sie ist sich jedoch sicher, dass die Künstlerinnen ihrer Generation sehr motiviert sind, diesen Zustand zu verändern. Und als der Tee kalt geworden ist, und ihre Nachdenklichkeit gewichen, rückt sie die Tasse zur Seite und sagt: «Da gibt es noch viel zu tun!»

Magali Kniel

Erschienen: November 2016
Text: Nathalie Benelli
Fotos: © Christian Pfammatter

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