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Helga Zumstein

Helga Zumstein © Diana Pfammatter

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Die Grossartigkeit der Ereignislosigkeit

Helga Zumstein steht vor dem Atelier hinter ihrem Haus, pünktlich zur vereinbarten Zeit. Ihr Werkraum ist eine Art grosses Gartenhaus mit Veranda. Goldgelbe Sonnensegel reflektieren warmes Licht ins Innere. Gross- und kleinformatige Werke reihen sich hier aneinander. Der erste Eindruck? Harmonische Farben und vertraute Szenen. Doch bald wird klar, die Bilder verlangen einen zweiten Blick.

Helga Zumstein hat das Dazwischensein zu ihrem Ort gemacht. Die Malerin stellt sich zwischen das Alltägliche und den Betrachter. Aus  diesem Raum heraus erhöht sie das Gewöhnliche zum Beobachtenswerten. Sie macht sichtbar, was leicht übersehen wird. Manchmal reichert sie die festgehaltenen Alltagssituationen mit feinem Humor an. Mitunter übt sie leise Kritik, indem sie Elemente aus dem Zusammenhang nimmt und neu kombiniert  und oft bleibt das Gemalte ein von ihr dargebotener Augenschein. Und das genügt.
Wenn die Malerin lacht, strahlt ihr ganzes Gesicht. Und sie lacht oft. Aber wenn sie zu erklären beginnt, warum sie Alltag nicht als das grosse Warten auf spektakuläre Ereignisse versteht, unterstreicht ihr Ausdruck die Ernsthaftigkeit dieses Themas. „In einem Leben kann es Zeiten geben, in denen man sich nach der grossartigen Langweiligkeit der Ereignislosigkeit sehnt“, sagt sie. Persönliche Erfahrungen, die sie als Mensch und Künstlerin geprägt haben, klingen aus diesen Worten. Alltag sieht sie seither nicht mehr als Füllmasse des Lebens, sondern als dessen Essenz.

Bereits seit fünf Jahren malt die 52-Jährige jede Woche ein kleinformatiges Bild und stellt es als "Bild der Woche" ins Internet. Die kleinen Bilder finden grossen Anklang. Durch die im Netz veröffentlichten Werke wurde sogar die Agora Gallery in New-York auf die Gliserin aufmerksam. Und es flog eine Einladung ins Haus, ihre Werke 2015 im Big Apple auszustellen. „Das war eine grossartige Erfahrung“, schwärmt sie. Es blieb nicht die einzige Gelegenheit im Ausland auszustellen. Jede Präsenz brachte neue Kontakte.  So waren ihre Arbeiten neben verschiedenen Orten im Wallis und der übrigen Schweiz auch in Potsdam und Berlin zu sehen. Die Abbildungen des authentischen Lebens kommen an. Hüben wie drüben.

Helga Zumsteins Laufbahn als visuelle Künstlerin verlief eher ungewöhnlich. Die Primarlehrerin, Familien- und Geschäftsfrau entschied sich erst im Alter von 43, nach vielen Jahren des autodidaktischen Malens, eine Ausbildung an der Schule für Gestaltung in Bern zu absolvieren. Den Schwerpunkt legte sie dabei auf Fotografie, Malerei und Druck. So sind es oftmals Fotos, die sie als Ausgangspunkt für ihre Bilder nutzt. „Die Kunst hat sich immer schon aller technischen Möglichkeiten bedient, die verfügbar waren und ich verbinde die digitale Momentaufnahme mit der Malerei“, erklärt sie. Auch wenn die Benutzung der Fotografie in vielen Köpfen nicht mit der Vorstellung eines malenden Genies zusammenpasst, lässt sich Helga Zumstein dadurch nicht beirren. Für sie sind Fotografie und Malerei zwei Möglichkeiten auf einer Fläche Räumliches darzustellen und dabei dürfen diese durchaus ergänzend wirken.
Ihr Weg hat sie Gelassenheit gelehrt. „Ich weiss mittlerweile besser, wo es sich lohnt Energie zu investieren“, äussert sie sich dazu. Die Neugierde auf Neues begleitet sie. Immer noch. Spannend findet Helga Zumstein Projekte, bei denen mehrere Kulturschaffende involviert sind wie zum Beispiel die Sommerausstellung im Schloss Leuk. Für solche Anlässe legt sie sich mächtig ins Zeug. „Ich bin so erzogen worden. Man hilft einander wo man kann.“  Helga Zumstein ist davon überzeugt, dass Kulturschaffende viel voneinander profitieren können. „Der eine kennt sich besser mit den digitalen Medien aus, der andere ist dafür handwerklich begabter. Wichtig ist doch, dass man mit vereinten Kräften weiterkommt.“ Am Herzen liegen ihr ebenso spartenübergreifende Projekte. Gemeinsam mit der Autorin Cornelia Heynen-Igler brachte sie das Buch  „Witwensommer“ mit illustrierten Kurzgeschichten heraus. „Auf überraschende Begegnungen, aus denen etwas entstehen kann, bin ich weiterhin gespannt“, sagt sie voller Begeisterung. So viele verschiedene Projekte lassen vermuten, dass sie ein sehr strukturierter Mensch sein muss. „Klar bin ich gut organisiert. Ansonsten könnte ich nicht alle meine Tätigkeiten unter einen Hut bringen“, bestätigt die Vielbeschäftigte.

Neben der Kunst haben noch weitere „Spielwiesen“ Platz in ihrem Leben. Wenn man auf der Suche nach Helga Zumstein in ihrem Atelier erfolglos bleibt, könnte es nämlich sein, dass sie im Laden „Rosa & Kasimir“ in der Briger Altstadt zu finden ist. Was sie dort macht? Dinge verkaufen, die den Alltag verschönern.

Atelier Zumstein
Rosa und Kasimir

Erschienen: Mai 2018
Text: Nathalie Benelli
Fotos: © Diana Pfammatter
 

 

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