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Andreas Weissen

Andreas Weissen, Foto: Diana Pfammatter

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Ein Mann der Worte und Taten

In einer Stunde wird es Nacht sein. Im Saal der Gaststätte „Heiligkreuz“ in Binn flutet allmählich das Dunkel  den Raum und lässt die Schatten lautlos an den Wänden wachsen. Eine weisse Kerze brennt. Andreas Weissen beginnt  Geschichten zu erzählen für diese Stunde, die eigentlich nur die Stille liebt. Sein Gesicht wird in der Dämmerung fremder. Etwas darin verändert sich. Ihm gegenüber sitzend und den Sagen vom Teufel und  wilden Gesellen lauschend, kann es einem schon kalt den Rücken herunterlaufen. Der Sagenerzähler hebt Augenblicke aus dem Dunkel heraus, lässt den „Ghornutu“ zu Worte kommen, um sich schon im nächsten Augenblick in einen verängstigten Bauern zu verwandeln. Wenn er erzählt, spricht sein Körper mit. Er gestikuliert, seine Mimik spricht Bände. Im Zimmer derweil die unbewegte Schwüle, in der das Atmen laut wird. Wie dunkel es draussen geworden ist. Andreas Weissen versichert den Zuhörern vor dem Nachhausegehen: „Dr  Ettro isch kei Lugner gsii“. Es muss also etwas Wahres an diesen Geschichten sein. Beim Verlassen des Saals, möchte man irgendetwas in die Nacht hineinsprechen, um die Geister zu vertreiben. War da nicht ein leises Knacken im Gehölz?  War da nicht ein Huschen über dem Feld?

Wer einen Sagenabend mit Andreas Weissen miterlebt hat, merkt bald, dass er diese Geschichten nicht erst seit Kurzem erzählt. Längst hat er sie verinnerlicht. Er muss denn auch weit ausholen, um über die Anfänge seiner Erzählkunst zu berichten. In der Saflischhütte in einem Wölflingslager der Pfadfinder habe alles begonnen. Die Primarschüler hätten eigentlich schlafen sollen, als einer unter ihnen fragte: „Kennt jemand eine Geistergeschichte?“ Und ob! Andreas Weissen kannte eine. Und weil seine Kollegen nicht genug bekommen konnten von den Erzählungen, die sie das Gruseln lehrten, reihte der Briger eine Sage an die andere. Das ging so weiter bis zum Morgengrauen, bis seine Stimme versagte. „Der Bozu het mu d‘Stimm gnu“, hiess es dann am nächsten Tag. Die Stimme hat er zum Glück wiedergefunden. Seitdem erzählt er Geschichten und Sagen. Und weil immer wieder jemand fragt: „Weisch nid no eini?“, hat er bis heute nicht damit aufgehört. Was im privaten Kreis begann, fand nach Jahren den Weg an die Öffentlichkeit. Sein Repertoire wuchs und wuchs. So erzählte er im Kellertheater in Brig an einem Tag neun Stunden lang. Nur unterbrochen von stündlich zehn Minuten Pause.

Der Spezialpreisträger 2018 des Kantons Wallis ist aber noch in anderen Kulturbereichen tätig. Unvergessen wie er als „Wasuohri“, ein aus dem Simplontunnel entwichener Flaschengeist, über die Bühne fegte. Andreas Weissen musiziert, singt, schreibt Bücher. Kaum eine Kunstsparte auszumachen, in der er sich nicht heimisch fühlt. „Nein, nein, zeichnen kann ich nicht“, beeilt sich Andreas Weissen zu sagen. „Als 6-Jähriger wurde ich zwar als talentierter Zeichner gelobt. Ich konnte da schon Zwerge malen wie ein 12-Jähriger. Leider sah meine Matura-Zeichnung dann immer noch aus wie von einem 12-Jährigen geschaffen und so liess ich es bleiben“, sagt der Vielseitige lachend.

Andreas Weissen ist einer, der Projekte anreissen kann. Er schafft es immer wieder Menschen mit unterschiedlichsten Kompetenzen in ein Boot zu holen und mit ihnen Pläne umzusetzen. Ein Beispiel dafür sind die Binner Kulturabende. Mit seiner Idee ermöglichte er in Binn den Wintertourismus. Wohlgemerkt, an einem Ort, dessen Skilift ganze 300 Meter lang ist und in dem man in der kalten Jahreszeit an Ramuz‘ „Wenn die Sonne nicht wiederkäme“ erinnert wird. Von Weihnachten bis Neujahr finden in Binn seit 2005 täglich zwei Kulturveranstaltungen statt. Dadurch erwacht das Belle-Epoque-Hotel Ofenhorn für zwei Wochen aus dem Winterschlaf. Die Lesungen, Konzerte, Referate und Theater, die hier im kleinen Rahmen über die Bühne gehen, vermögen selbst ein kulturverwöhntes, städtisches Publikum zu begeistern.

Das BergBuchBrig Multimediafestival  gäbe es ebenfalls nicht ohne die treibende Kraft des Organisationstalents. Als er einmal in Trento das Bergfilmfestival besucht hatte, war für ihn klar, so ein Festival stünde auch Brig gut an. Er passte das Konzept an und ergänzte die Filmvorführungen und Bücherausstellungen mit weiteren Veranstaltungen. Die Lesungen, Vorträge, Bildprojektionen, Filme und Konzerte vertiefen das Thema Alpen und vermögen in vier Novembertagen ca. 4800 Besucher anzulocken.

Der 61-Jährige blickt neben seinem kulturellen Engagement und der Tätigkeit als Gastgeber im „Heiligkreuz“ auf eine bewegte berufliche Laufbahn zurück. In seiner Vita sind Tätigkeiten wie Lehrer, Leiter des Umweltsekretariats, Leiter der Abteilung Alpen des WWF, Geschäftsführer des Netzwerks Schweizer Pärke aufgelistet, um nur einige zu nennen. Daneben engagiert er sich auch politisch und steht dabei mit seinen unkonventionellen Ideen nicht selten im harten Gegenwind. Aber selbst seine politischen Gegner werden ganz still, wenn Andreas Weissen zu erzählen beginnt.

Andreas Weissen
Binn Kultur
Bergbuch Brig
Gasthaus Heiligkreuz
Hotel Ofenhorn

Erschienen: September 2018
Text: Nathalie Benelli
Fotos: © Diana Pfammater

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