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Tragisch aktuelles Thema

Wie bringt man ein Stück wie Andorra, das zu den Klassikern des deutschen Sprechtheaters gehört, auf die Bühne, ohne dass die Zuschauer das Gefühl von Déjà vu überkommt? Das Theater St. Gallen liefert die eindrückliche Antwort darauf mit einer Inszenierung von Katja Langenbach. Zu sehen ist das Stück am 21.Januar 2016 im Theater La Poste in Visp.


Der Inhalt des Stücks umfasst folgendes: Zu einer Zeit, als Solidarität in Andorra noch etwas galt, gab der Lehrer seinen unehelichen Sohn Andri als gerettetes Judenkind aus. So waren ihm Ansehen und Unterstützung gewiss. Inzwischen aber ist Andorra von antisemitischen Vorurteilen durchsetzt. Und gerade Andri entspricht nach Meinung der Andorraner genau jenem Bild, das sie sich von einem Juden gemacht haben, was sie ihm einzubläuen nicht müde werden. Der junge Mann, zu tiefst verachtet, zum anders sein gezwungen, fügt sich im Ringen um die Frage nach der eigenen Identität schliesslich dem ihm zugedachten Schicksal.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen in der Schweiz behandelt Andorra damit ein tragisch aktuelles Thema. Max Frisch (1911-1991) führt den Antisemitismus in einem Stück ohne Juden vor und entwirft mit Andorra eine Parabel über die Mechanismen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Vorurteil und Meinungsmache gegen das Anders sein. Mehr

 

 

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